Montag, November 08, 2010 15:14 PM
Alzheimer-Impfung könnte Krankheit stoppen
© Tilli / pixelio.de
Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen ist es gelungen einen neuartigen Impfstoff für Alzheimer-Patienten zu entwickeln. Der Impfstoff kann die Krankheit zwar nicht heilen, ist aber dazu in der Lage sie zu stoppen.
Erstmals ist es Forschern gelungen einen Alzheimer-Impfstoff zu entwickeln, der bei Mäusen Wirkung zeigte. Die neuen Studienergebnisse aus Göttingen können bei rund 35 Millionen Menschen weltweit neue Hoffnung auf eine wirksame Therapie wecken. Die Göttinger Wissenschaftler betonten, dass die aktuellen Ergebnisse dabei helfen könnten, in wenigen Jahren einen geeigneten Impfstoff für Menschen zu entwickeln. Der Impfstoff kann Alzheimer zwar nicht heilen, kann jedoch den Krankheitsverlauf stoppen. Nach Bekanntwerden der Studienergebnisse warnten Ärzte davor, aufgrund der positiven Ergebnisse in Euphorie zu verfallen. Sie betonten, dass in den vergangenen zehn Jahren zu oft Erwartungen und Hoffnungen von Patienten enttäuscht wurden, die sie in die Alzheimer-Forscher steckten.
Alzheimer ist organisches Krankheitsbild
Weltweit sind Millionen Menschen von Alzheimer betroffen. Bislang gilt die Erkrankung als unheilbar. Bei Alzheimer handelt es sich um eine organische Krankheit. Sie wird dadurch gekennzeichnet, dass Nervenzellen und Nervenkontaktzellen während des Krankheitsverlaufs langsam, aber fortschreitend absterben. Beim Diagnoseverfahren für die Erkrankung stellen Mediziner im Gehirn des Alzheimer-Patienten typische Eiweißablagerungen fest. Unter Medizinern werden sie als Amyloid-Plaques bezeichnet.
Bislang konnte nicht geklärt werden, ob es sich bei den Plaques um die Auslöser oder um die Symptome handelt. Dr. Alois Alzheimer war der erste Neurologe, dem es gelang die Erkrankung zu entdecken und zu erforschen. Bereits im Jahr 1906 wurde die Krankheit durch ihn wissenschaftlich untersucht und beschrieben. Zu späterer Zeit wurde die Erkrankung nach ihm benannt.
Alzheimer gibt sich durch verschiedene Symptome zu erkennen. Typisch sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, sowie eine fortschreitende Abnahme des individuellen Denkvermögens. Die Patienten können komplexe Einordnungen und Denkprozesse nur noch schwer nachvollziehen. Mit zunehmendem Krankheitsverlauf wird es für die Betroffenen immer schwieriger verschiedene Alltagsaufgaben zu lösen. Im Endstadium der Krankheit werden die Patienten zum Pflegefall.
Die Anforderungen, die dabei an die Betreuung, die Pflege und die Fürsorge gestellt werden, sind sehr unterschiedlich, da es sich bei Alzheimer-Patienten nicht um eine homogene Gruppe handelt. Auch im Verlauf der Krankheit spielen vorige Kompetenzen und Defizite eine entscheidende Rolle. Mittlerweile sind nicht nur ältere Menschen von Alzheimer betroffenen. In den vergangenen Jahren konnte ein erstes Auftreten der Erkrankung auch bei 50-Jährigen beobachtet werden.
Tatsächliche Entstehung weiter ungelöst
Bis heute konnte nicht geklärt werden, wie Alzheimer im Detail entsteht. Aus diesem Grund setzen sich unterschiedliche Forschungsansätze mit der Erkrankung auseinander. Am häufigsten wird angenommen, dass es durch die Eiweißablagerungen im Gehirn zur Entstehung der sogenannten Plaques kommt. Diese Plaques sollen schließlich für die die zunehmende Zerstörung von Nervenzellen und Synapsen sorgen.
Schon seit längerem bezweifeln die Forscher der Universität Göttingen, dass die Ablagerungen dafür verantwortlich sind. Die Forscher vermuten, dass eine spezielle Molekülstruktur, die sich im Gehirn befindet, für den Ausbruch der Alzheimer-Krankheit verantwortlich ist. Unter Berücksichtigung vorangegangener Studien kam der Neurologe und Forscher Dr. Thomas Bayer, der in der klinischen Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie tätig ist, zu der Erkenntnis, dass es sich bei den Plaques nicht um die Auslöser der Krankheit handeln kann.
Laut Bayer seien sie vielmehr ein Anzeichen von Alzheimer, jedoch nicht der Ursprung der Krankheit. Basierend auf dieser Erkenntnis gingen die Forschungsarbeiten der Göttinger Wissenschaftler in eine ganz neue Richtung. Ihren Forschungsarbeiten lag die Annahme zu Grunde, dass eine Molekülstruktur im Gehirn für die Bildung des Alzheimers verantwortlich ist. Durch diese Struktur soll ein Eiweiß mit dem Namen Pyroglutamat-Abeta produziert werden. Dieses Eiweiß führt zur Bildung von Oligomeren. Diese verklumpen miteinander und setzen sich schließlich an den Nervenzellen und Blutgefäßen fest. Der negative Prozess zieht eine sukzessive Schädigung des Gehirns nach sich.
Forscher legen Fokus auf Oligomere
Die Göttinger Forscher haben sich bei ihrer Arbeit auf die Bildung von Oligomeren konzentriert und diese genauer untersucht. Bislang schlugen Versuche, die sich der Auflösung der Eiweißablagerungen widmeten, fehl. Ältere Studien haben gezeigt, dass die Zerstörung der Plaques mit schwerwiegenden Folgen einhergeht. Prof. Bayer erklärte im Zuge der aktuellen Studie, dass es sich bei den Ablagerungen um eine Art Mülldeponie handelt, in der sich giftige Eiweiße ansammeln.
Aus diesem Grund sollten die Ablagerungen seinen Einschätzungen zufolge auch unangetastet bleiben. Bayer betonte, dass die Menge der Ablagerungen keinen Aufschluss darüber geben kann, wie weit die Alzheimer-Krankheit bereits fortgeschritten ist.
Den Göttinger Wissenschaftlern ist es nun gelungen durch eine passive Impfung die Neubildung von giftigen Eiweißablagerungen bei Mäusen zu stoppen. Hierfür haben die Forscher einen neuen Antikörper entwickelt, der dazu in der Lage sein soll, die Oligomere zu eliminieren. Im Rahmen eines Versuchsaufbaus wurde Mäusen die Injektion von Antikörpern verabreicht. Prof. Bayer betonte, dass es weltweit der erste Antikörper ist, der diese lösliche und zugleich besonders toxische Abeta-Variante erkennen kann. Im Gegensatz zu anderen Antikörpern, die mit Blick auf die Immunisierung benutzt wurden, bindet sich die neue Variante nicht an die Plaques.
Die gefährlichen Oligomere konnten durch die Injektion gestoppt werden. Bayer erklärte, dass die Alzheimer-Krankheit durch die Impfung zwar nicht geheilt werden konnte, dass es den Wissenschaftlern mit ihr jedoch gelang sie zu stoppen. Der Studienleiter unterstrich, dass die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass sich das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit offenbar durch den Antikörper stoppen lässt.
Erste Studien an Menschen bereits in zwei Jahren
Prof. Dr. Thomas Bayer geht davon aus, dass die ersten Studien an Menschen bereits in zwei Jahren durchgeführt werden können. In dem medizinischen Wirtschaftsmagazin „Journal of Biological Chemistry“ weisen die Göttinger Forscher darauf hin, dass die Studienergebnisse auch auf den Menschen übertragen werden können. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs für Menschen dürfte jedoch noch einige Jahr mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Unklar ist zudem, ob die neu gewonnenen Ergebnisse die Forscher in die richtige Richtung führen. Aufgrund zahlreicher offener Fragen warnt auch die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charite Berlin vor Euphorie. In der Vergangenheit haben zahlreiche andere Studienergebnisse bei den Angehörigen und Betroffenen immer wieder Hoffnung geweckt, bevor sie schließlich erneut enttäuscht wurden.
Dr. Isabella Heuser betonte, dass Zurückhaltung in diesem Fall angemessen ist. Heuser betonte jedoch, dass es sich bei den Forschungsansätzen um einen interessanten Vorstoß handelt. Eine Hoffnung auf Heilung gibt es jedoch auch weiterhin nicht. Aus diesem Grund sei Vorbeugung immer noch die beste Variante.
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Alzheimer-Impfung könnte Krankheit stoppen?! Was heisst hier KÖNNTE?! Sind das die Aussagen der Wissenschaft? KÖNNTE?! Oder ist es nicht dann eher so, dass man mit dieser Impfung gut verdienen KÖNNTE? kurtrichard