Freitag, Oktober 01, 2010 11:59 AM
Forschung: ADHS zumindest teilweise genetisch bedingt
© Franz-Mairinger / pixelio.de
Britische Forscher konnten im Rahmen einer repräsentativen Studie herausfinden, dass ADHS teilweise genetisch bedingt ist. Bereits im Voraus mehrten sich die Annahmen von Wissenschaftlern, dass Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen genetische Ursachen zugrunde liegen könnten.
In der Bundesrepublik Deutschland leiten rund 500.000 Kinder und Jugendliche unter ADHS, das auch als Zappelphilipp-Syndrom bekannt ist. Die Zahl der Betroffenen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Laut aktuellen Schätzungen sollen in Deutschland rund zwei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen sein. Mit ihnen leiden vor allem die Eltern und Lehrer. Dabei kommt die Störung bei Jungen rund drei- bis viermal so häufig vor wie bei Mädchen. Meist tritt ADHS bereits im Kindesalter auf. Die Störung kann die Betroffenen ein Leben lang begleiten.
Forscher entdecken genetische Verbindung
Seit Jahren setzen sich Wissenschaftler mit der Suche nach den Ursachen für ADHS auseinander. Diskutiert wurden die verschiedensten Gründe wie Erziehungsfehler, frühkindliche Traumata und Vernachlässigung. Zuletzt wurde die These der multifaktoriellen Verursachung von ADHS bekannt. Bei dieser wirken biologische, soziale und psychische Faktoren zusammen. Die Wissenschaftler der Universität Cardiff in Wales legen basierend auf neuen Studienergebnissen nun den Fokus auf ein genetisch bedingtes Vorkommen von ADHS.
Die Forscher verglichen im Rahmen der Studie die DNA von 366 Kindern, die unter einem diagnostizierten ADHS–Syndrom leiden, mit dem Erbgut von 1047 Menschen, bei denen die Erkrankung nicht vorlag. Unter den ADHS-Patienten wiesen im Vergleich zu den gesunden Kindern mehr als doppelt so viele Studienteilnehmer eine deutliche und seltene DNA-Veränderung auf. Der Anteil lag bei 15 zu 7 Prozent. Studienleiterin Prof. Anita Thapar erklärte, dass bereits seit Jahren vermutet wird, dass ADHS wohl genetisch bedingt sein muss, da die Störung in betroffenen Familien immer wieder vorkommt. Erstmals konnte das Team um Thapar nun die genetische Verbindung ausfindig machen.
Unterschied durch Genkopiezahlvarianten
Im Wesentlichen beruht der Unterschied zwischen gesunden Kindern und ADHS-Patienten auf Abweichungen bei den CNV, den Genkopiezahlvarianten. Laut Aussage der Wissenschaftler besitzen Kinder mit ADHS häufiger eine defekte DNA-Struktur. Prof. Thapar erklärte, dass bei ihnen manche Teile doppelt vorkommen oder ganz fehlen. Seit längerer Zeit stehen CNV im Verdacht, dass sie Auswirkungen auf die Prädisposition für bestimmte Erkrankungen haben. Sie könnten zum Beispiel mit Schizophrenie und Autismus in Verbindung stehen.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler sind die aktuellen Studienergebnisse sowohl für die Betroffenen als auch für die Eltern eine Erleichterung. Noch immer werden hyperaktive Kinder aufgrund ihres Verhaltens stigmatisiert. Dabei wird oftmals auch die Erziehung von den Eltern in Frage gestellt. Dieses Missverständnis dürfte nach Einschätzung von Prof. Thapar durch die Entdeckung des genetischen Zusammenhangs ausgeräumt werden. Die Ursachen für die psychische Störung sind trotz der vorgelegten Ergebnisse noch nicht endgültig abgeklärt. Im Rahmen der Studie gelang es den Wissenschaftlern nicht ein bestimmtes Gen zu finden, das für ADHS verantwortlich ist.
Die CNV sind jedoch im Zusammenspiel mit anderen Faktoren dazu in der Lage, eine solche Erkrankung zu begünstigen. Laut Prof. Thapar ist auch weiterhin sehr viel Arbeit nötig, damit die psychische Störung vollkommen verstanden werden kann.
Studienergebnisse helfen bei Diagnose
Hilfreich können die Studienergebnisse bereits bei der Diagnose von ADHS sein. Behandelnde Ärzte können nun für eine eindeutige Diagnose nach den genannten CNV als Risikofaktoren suchen. Die Wissenschaftler hoffen, dass durch die aktuellen Ergebnisse effektivere Behandlungsmethoden für ADHS-Patienten abgeleitet werden können.
Der stetig wachsenden Anzahl von ADHS-Patienten wurde bisher überwiegend mit dem Einsatz von Medikamenten, zu denen Ritalin und Strattera gehören, begegnet. Da Medikamente nach Einschätzungen des G-BA zu oft für Kinder verschrieben werden, hat der Gemeinsame Bundesausschuss kürzlich die Verordnung von ADHS-Medikamenten eingeschränkt.
Laut Angaben der DAK ist die Verschreibung entsprechender Präparate von 2007 bis 2009 bei Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren jedoch um 24 Prozent gesunken. Künftig dürfen Medikamente wie Ritalin ausschließlich dann verschrieben werden, werden die Diagnose durch einen Spezialisten erstellt wurde. Des Weiteren muss die medikamentöse Therapie nach Regelungen des G-BA regelmäßig unterbrochen werden. Durch die Unterbrechungen sollen die Auswirkungen auf das Befinden überprüft werden.
Grund für die Einschränkungen ist der Verdacht, dass ADHS-Medikamente mit erheblichen Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Wachstumsstörungen verbunden sind. Zugleich sollen sie weitere psychische Probleme wie innere Unruhe, Reizbarkeit und psychotische Phasen hervorrufen. Sie können aber auch zu paranoiden Wahnvorstellungen und Halluzinationen führen.
Hintergründe von ADHS
Als ADHS oder auch Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird eine psychische Störung bezeichnet, die meist bereits im Kindesalter auftritt. Sie zeichnet sich durch Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und oftmals auch durch Hyperaktivität aus. Die Symptome, die bereits im Kindesalter auftreten, können mit unterschiedlicher Ausprägung bis in das Erwachsenenalter bestehen.
Für die Betroffenen, aber auch für Eltern und Lehrer geht ADHS mit erheblichen Problemen einher. So stehen die Patienten gemeinsam mit ihren Angehörigen unter erheblichem Druck. Häufig kommt es sowohl in der Schule als auch im Beruf zum Versagen. Aber auch die Entwicklung von weiteren psychischen Störungen durch ADHS sorgt für zusätzliche Probleme. In Verbindung mit ADHS finden heute verschiedene Behandlungsmethoden Anwendung. Die genaue Behandlung richtet sich zum einen nach dem Schweregrad und zum anderen nach den auftretenden Symptomen und dem Alter. Es gibt einzelne Behandlungsansätze, die versuchen die Therapie auf den Patienten und sein soziales Umfeld zu beziehen. Verschiedene psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen sollen nach Einschätzungen von Experten Einfluss auf den Verlauf und die individuelle Ausprägung haben.
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[...] http://www.gesundial.de/forschung-adhs-zumindest-teilweise-genetisch-bedingt-3418 [...]
Dies ist wieder ein Schritt, AD(H)S endlich als Krankheit zu begreifen. Die Kritiker dürften bei den Forschungsfortschritten langsam in Erklärungsnöte kommen.
Doch besagt die Studie nach meinem Verständnis, dass 75 % der getesteten ADHS-Kranken diese genetische Disposition nicht aufwiesen. Ist es nun erforderlich die Krankheit in verschiedene Qualitäten oder Aspekte zu unterteilen?
Nach all dem Forscherdrang, der sich in mir und vielen Anderen zu diesem Thema breit macht und nicht nachlässt, bleibt trotzdem der Lösungsansatz ungenügend. Erwachsene dürfen in Deutschland immernoch nicht mit Methylphenidat oder D-Amphetamin auf Kassenkosten behandelt werden, obwohl ein Off-Label-Use (Benutzung des Medikamentes ohne konkrete Zulassung für einen Fall) gegeben scheint.
Gehört eine gesellschaftliche Ausgrenzung, wie in vielen Fällen, nur zur Minderung der Lebensqualität? Potenzmedikamente werden nur privat verordnet und müssen durch den Leidenden selbst bezahlt werden.
AD(H)S hat meiner Meinung nach noch mehr negative Auswirkungen auf das Leben des Individuums als die Impotenz, obwohl ich dieses Nichtzahlen der Krankenkassen im Falle der Potenzprobleme für die Medikation und Therapie auch schwer verurteile.
Hier herrscht dringender Handlungsbedarf! In allen Fällen in denen Menschen gesundheitlich beeinträchtigt sind, sollten diese gemeinheitlichen Ausgleich erfahren dürfen. Und das nicht auf eigene Kosten, sondern auf Kosten der solidarischen Gemeinheit. Bei Schizophrenie oder Depressionen werden auch viele Therapieformen von der Krankenkasse bezahlt. Auf jeden Fall die Pharmakotherapie.
Aber der Fisch stinkt vom Kopf her! Ich bitte Sie sich für Benachteiligte in unserer Gesellschaft einzusetzen!
Mit freundlichem Gruß
Christian
(Betroffener)