Sonntag, September 19, 2010 10:46 AM

Ritalin bei ADHS Syndrom nur noch als Ausnahme

© Franz-Mairinger / pixelio.de

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Bei Kindern und Jugendlichen hat der Arzneimittelkonsum rasant zugenommen. Nach aktuellen Berichten wurden sogenannte Psychoanaleptika bei ADHS von Hausärzten zu schnell verschrieben. Dies soll sich nun ändern. Kinder und Jugendliche sollen nur noch in Ausnahmefällen mit dem Ritalin, das über den Wirkstoff Methylphenidat verfügt, behandelt werden.

Ritalin wird Kindern und Jugendlichen verabreicht, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, kurz ADHS, leiden. Aufgrund möglicher Risiken hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Verordnung von Psychoanaleptika Arzneien für Kinder und Jugendliche stark eingeschränkt. Schon jetzt erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Arzneimittel mit Methylphenidat nur noch dann, wenn eine ADHS-Diagnose gestellt wurde.

Die bisher geltenden Regeln sollen nun noch enger gefasst werden. Sowohl die Anforderungen bei der Diagnose Erstellung als auch bei der Fachkompetenz der Ärzte, die die Therapie durchführen, sollen verändert werden. Künftig sollen keine Allgemeinmediziner ADHS diagnostizieren. Diese Aufgabe wird ausschließlich in den Händen von Kinder- und Jugendpsychiatern mit Sozialpsychiatrie-Vereinbarung liegen. Diese Fachärzte sind dazu verpflichtet, Kindern und Jugendliche weitere psychologische, pädagogische und heilpädagogische Angebote neben der Einnahme von Ritalin zu unterbreiten.

Künftig sollen ausschließlich qualifizierte Fachkräfte dazu in der Lage sein, den Wirkstoff Methylphenidat verschreiben zu dürfen. Des Weiteren soll während der Behandlung die regelmäßige Vergabe von Medikamenten unterbrochen werden. Dadurch soll eine Prüfung des gesundheitlichen Zustands des Kindes möglich sein. Sämtliche Neuerungen der Arzneimittel-Richtlinie müssen noch von dem Bundesgesundheitsministerium geprüft werden.

Werden durch das Ministerium keine Beanstandungen deutlich, wird die neue Arzneimittel-Richtlinie, die sich auf die Vergabe von Methylphenidat bezieht, im Bundesanzeiger veröffentlicht. Mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger wird die neue Richtlinie in Deutschland in Kraft treten.

2009 gab die Kaufmännische Krankenkasse, KKH, im Rahmen einer Studie bekannt, dass die Diagnose ADHS um fünf Prozent in der Zeit von 2004 bis 2007 gestiegen ist. Nach Schätzungen sind in Deutschland rund 500.000 Kinder von ADHS betroffen. Dabei leiden Jungen häufiger unter dem ADHS Syndrom als Mädchen.

Nach Ergebnissen einer Studie der Universität Michigan leben allein in den USA rund eine Million Kinder, bei denen eine falsche ADHS Diagnose gestellt wurde. Auch in der Bundesrepublik Deutschland dürfte die Zahl der ADHS Diagnosen, die falsch erstellt wurden, vergleichsweise hoch sein. Bisher gibt es hierzulande jedoch keine Studie, die über genaue Zahlen Aufschluss geben kann.

7 Meinungen zu “Ritalin bei ADHS Syndrom nur noch als Ausnahme”

  1. mediziner sagt:

    Solange die Erstdiagnose von ausgebrannten Lehrern und vom überforderten sozialen Umfeld gestellt wird, ist für die leidtragenden Konder immer noch kein Schutz vor berufsneurotischen, kindermonsterhassenden Psych – ologen -iatern – otherapeuten erreicht. Die Lösung kann nur in der Behandlung des Umfeldes, insbesondere der Lehrer liegen. In Thüringen gibt es für ADS/ADHS Kinder Fördergelder für die Schulen, sodass eine hohe Quote an psychisch Auffälligen Kindern erreicht werden muß.
    Wer schonmal Ritalinzombies gesehen hat und auch die Entwöhung / Folgetherapie miterlebt hat weiß warum jetzt zurückgerudert wird.

  2. Kienert sagt:

    Dieses Mittel sollte vom Markt genommen werden.
    Für unseren Sohn und Uns kommt die Einsicht leider zu Spät.
    Er hat das Zeug leider 4 Jahre genommen weil unser Arzt und
    die Klassenlehrerin der Meinung waren er ist zu Lebhaft und wir haben das geglaubt.Heute mit 18 Jahren ist er zu klein , zu dünn,
    weil er keinen Appetit hat und ist super Reizbar.Das Mittel nimmt er seit 5 Jahren nicht mehr aber die Entwicklung ist sehr Beeinträchtigt wegen der Einnahme von Ritalin. Mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung währe besser gewesen.Das wissen wir heute.

    MfG.Kienert

  3. norwegerin sagt:

    Endlich wird mal eine richtige Endscheidung gegen dieses Medikament getroffen. Es gibt aber ein Ähnliches, das in etwa den selben Wirkstoff enthält. Auch ist nicht gewährleistet, das jeder Fachkompetente Kinder- und Jugendpsychater richtige Medikamente gibt. Mein Sohn hatte eine ganz andere Erkrankung und wurde einfach in die ADHS Gruppe eingestuft. Der K.- u. J.psychater, eine angegliche “Brillianz ” auf seinem Gebiet verschrieb ihm nur erst einmal, um es zu testen, dieses Ersatzmedikament. Eigentlich wollte ich lediglich eine Gruppentherapie für ihn über den Arzt beantragen, da mein Sohn grosse Ängste vor vielen Menschen hatte und das natürlich für seine beginnende Schulzeit sehr hinderlich war.
    Mit der Einnahme,der Tabletten,(die ich damals schon in Frage stellte, weil ich hierfür keinerlei Notwendigkeit sah, veränderte meinen Sohn sein Verhalten in die Richtung, die ich auf gar keinen Fall wollte. Erst war er wie abgeschlagen, gar nicht fähig normal zu agieren und im Anschluss, wenn die Tablette ihre Wirkung verlor wahnsinnig agressiv. Eine völlig andere Person. Der Arzt, mit dem ich Rücksprache hielt, versuchte mich zu beruhigen, indem er sagte, es müsse sich ein bisschen einspielen. Ich hatte keine Lust meinen Sohn in solchen Zuständen weiterhin zu sehen und setzte die Tabletten ab. Mein Sohn hat eine völlig andere Grunderkrankung, die auch bekannt war und dennoch wurde einfach mal ein bisschen experimentiert. Unter dem Motto, vielleicht hilfts ja. Wer also kontrolliert die, die sich dann “Experte” nennen??? Wir Eltern sind nur gut beraten, wenn wir einiges Wissen über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten in Erfahrung gebracht haben, denn dann können wir uns an den Gesprächen beteiligen und vielleicht im Interesse unserer Kinder mithelfen den richtigen Weg für eine Behandlung zu finden. Ich hab schon von Eltern gehört, die erzählten, das der Lehrer/in ihrem Kind ADHS/ADS diagnostizierten. Eine Anmaßung ohne gleichen. Jeder sollte doch bei seinen ” Fachkompetenzen ” bleiben und nicht, weil es bequem ist ruhige Kinder in der Klasse zu haben, Eltern zu nötigen ihren Sprösslingen Medikamente verabreichen zu lassen.

  4. Uwe Rassenberger sagt:

    Liebe Eltern,

    meine Tochter ist schon erwachsen und gott sei dank gesund. Ich kenne ADHS nur vom sagen und hören. Es gibt eine Firma die NeuroConn GmbH. Sie haben ein neuartiges Biosignal Verstärkerkonzept mit verbesserten Möglichkeiten die Ableitung und Auswertung von Gehirnströmen, das ersetzt das Medikament Ritalin. Dies sollte in jeden Kindergarten und in jede Schule stationiert werden. Wenn sie mehr wissen wollen dann setzen sie sich mit mir in Verbindung.

  5. Franz Josef Neffe sagt:

    Schule allein ist heute ein ganz realer Grund, mindestens hyperaktiv zu werden. Wenn die Schule von Konzentrationsstörung spricht, meint sie, dass das Kind nicht tut, was man von ihm will. Die Schule ist also gar nicht daran interessiert, dass das Kind in SEINE MITTE kommt, sie möchte es ganz wo anders haben und verursacht damit selbst pausenlos KonZENTRationsstörung. Als Ich-kann-Schule-Lehrer finde ich es kriminell, Kinder mit einer Droge so zu präparieren, dass man selbst nichts dazulernen muss und ungehindert die das Problem verursachende Pädagogik fortsetzt. Aus diesem Grunde akzeptiere ich Ritalin & Co. nur unter der Bedingung, dass alle beteiligten Erwachsenen dieselbe Dosis nehmen wie das Kind. Dann können sie auch endlich mal AUS DER PRAXIS MITREDEN. Es ist ja wohl seit Jahrzehnten nicht zu übersehen, wie bei der Zunahme der Medikamentierung die Problkeme WACHSEN.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  6. Christian sagt:

    Ich habe das Stimulanzium Methylphenidat im Erwachsenenalter für mehrere Jahre verwendet nachdem bei mir ADHS im Erwachsenenalter durch mehrere Psychiater und Psychologen unabhängig festgestellt wurde.

    Hätte ich die Diagnose und das Medikament während der Schulzeit bekommen hätten (Konjunktiv) sich meine Minderleistung trotz Hochbegabung und meine Unruhe sicherlich lindern lassen.

    Dieses Medikament stellt für betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine Chance dar, ein normales Leben mit weniger Minderleistungs-, Partner- und Schul- bzw. Berufsproblemen zu führen.

    Auch was die jährlichen Kosten der Pharmakotherapie anbelangt denke ich, dass eine Behandlung ohne das Präparat wesentlich höher zu Buche schlägt. Sei es durch Arbeitsausfälle wegen entstandener Depressionen, die oft als Begleitkrankheit zu AD(H)S diagnostiziert werden muss oder durch die soziale Ausgrenzung und Schädigung des Erkrankten.

    Das Medikament hilft der Pharmaindustrie sicher konstante Gewinne einzufahren aber es hilft wirklich Betroffenen imens.

    Nebenwirkungen konnte ich in der Zeit der Einnahme nicht feststellen. Ob es Langzeit- und Folgeschäden oder Spätschäden gibt sollte jedoch bereits abzusehen sein, da das Medikament seit fast 60 Jahren in Deutschland im Einsatz ist.

  7. Christian sagt:

    So viel Negatives über die “Modediagnose AD(H)S” und das “Kinderkoks Ritalin(R)” wird durch Presse und Medien geschleift. Dabei werden immer ein oder zwei Studien vorgehalten, bei denen die Redakteure die posiven Ergebnisse schlicht weg nicht gelesen haben oder lesen konnten weil ihnen das Fachwissen dafür völlig fehlt.

    Ab einer gewissen Zahl von Auffälligkeiten und Normabweichungen spricht man von einer Krankheit. Das es sich bei AD(H)S um eine handeln könnte, legen hunderte von Studien und Beobachtungen nahe.

    ADHS ist international als Krankheit mit schwerwiegenden Folgen anerkannt und wird in der ICD 10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und im DSM-IV (APA) auch als solche anerkannt.

    Meiner Meinung nach gehört zu einer Behandlung der ADHS zwingend eine Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie) und Coaching der Betroffenen, Eltern und Lehrer.

    Methylphenidathaltige Arzneimittel und / oder D-Amphetaminsulfat stellen eine Pharma- CO – therapie dar. Das heißt, dass Medikament soll unterstützend wirken.

    Es handelt sich bei Methylphenidat auch nicht um ein Heilmittel, sondern um ein Mittel zur Symptomlinderung, die die Psychotherapie z. T. erst möglich macht, weil der Erkrankte sich ohne medikamentöse Behandlung nicht auf den Kontext einlassen kann.

    Und bitte: Es gibt KEIN einziges Medikament ohne zum Teil auch gravierende Nebenwirkungen über die nicht nur der Mediziner, sondern immer auch die Packungsbeilage auskunft gibt. Hat man sie nicht verstanden hilft Nachfragen!

    Stellen Sie Sich bitte einen 10-jährigen Jungen vor, der an Diabetes erkrankt ist. Und jetzt verteufeln Sie bitte Insulin! Wünschen Sie Sich bitte die Abschaffung des Teufelsstoffes!

    Das werden Sie nicht tun, denn Sie wissen der Junge wird zu Grunde gehen.

    Aber was, wenn die Medien ab jetzt eine Hetzkampagne gegen Insulin anzetteln, weil man daran bei Unterzuckerung sterben kann?

    Wird dann nicht in jedem, der kein Fachwissen zu dieser Erkrankung und deren Heilverfahren hat, Zweifel aufkommen?

    Die Medien müssen mit diesen Schlagthemen und Trivialisierungen arbeiten um A gekauft und B verstanden zu werden. Aber machen wir uns nichts vor, diese Trivialisierung schadet mehr Betroffenen als das sie die Bevölkerung über eine schwere ernstzunehmende Krankheit aufklärt.

    Sie sehen diese Diskussion bringt uns in einen nichtendenden Kreislauf.

    Diabetes hat Ursachen. ADHS auch. Ich komme jetzt nicht mit der allumwerfenden GEN-Käule, auch bildgebende Verfahren wie PET oder SPECT konnten dies bereits bestätigen. Ich denke, dass auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.

    Aber ich bitte Sie: Auch ohne Ritalin(R) und Co. Die Betroffenen brauchen Hilfe, Verständnis und eine breite aufgeklärte Öffentlichkeit, die sie Akzeptiert und nicht ausgrenzt.

    Mit freundlichem Gruß

    Christian
    (Betroffener)

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